Warum werden TMS und HAM-Nat abgeschafft? Die stav-Studie erklärt
Der TMSnat kommt nicht zufällig — er ist das Ergebnis jahrelanger Forschung. Das Ziel war es, einen bundesweit einheitlichen, faireren und aussagekräftigeren Auswahltest zu schaffen: Statt zwei separaten Tests soll es ab 2027 nur noch einen geben. Dafür wurde eine bundesweite Studie durchgeführt, die erstmals an allen deutschen medizinischen Fakultäten untersuchte, welche Teile von TMS und HAM-Nat den Studienerfolg wirklich vorhersagen. Die Antwort hat direkte Konsequenzen für deinen Lernplan für den TMSnat.
📖 Inhaltsverzeichnis
1. Was ist die stav-Studie?
Nach einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Jahr 2017 wurde das Auswahlverfahren für Medizinstudienplätze in Deutschland grundlegend reformiert. Als Folge gründete der Bund den sogenannten Studierendenauswahlverbund (stav) — ein staatlich gefördertes Forschungskonsortium, das auswertete, welche Auswahlkriterien den späteren Studienerfolg am zuverlässigsten vorhersagen.
Ein zentrales Ergebnis dieser Forschungsarbeit ist unter andrem die im Rahmen des stav-Programms entstandene Studie von Jaehn et al. (2025), erschienen im renommierten Fachjournal BMC Medical Education. Sie ist die erste bundesweite Untersuchung, die Daten aus allen 38 deutschen medizinischen Fakultäten einbezieht — und damit die bisher aussagekräftigste Analyse zur Vorhersagekraft von TMS und HAM-Nat.
Jaehn et al. (2025) — Originalstudie
Predictive validity of admission tests and educational attainment
on preclinical academic performance – a multisite study.
BMC Medical Education, 25, 1255. · n = 2.113 Medizinstudierende ·
Daten aus allen 38 deutschen medizinischen Fakultäten (2017–2022)
doi.org/10.1186/s12909-025-07974-2 →
💡 Das Wichtigste in Kürze
- 2.113 Medizinstudierende aus allen 38 deutschen Fakultäten wurden untersucht
- Gemessen wurde: Welche Tests/Untertests sagen die Vorklinik-Note (und das Physikum) vorher?
- Ergebnis: Nicht alle Untertests sind gleich wertvoll — einige sagen fast nichts vorher
- Die Studie lieferte die wissenschaftliche Grundlage für den Aufbau des TMSnat
2. Was hat die Studie herausgefunden?
Die Studie untersuchte zwei zentrale Fragen: Wie gut sagen TMS und HAM-Nat die späteren Studienleistungen vorher — und welche Untertests tragen dabei am meisten bei?
TMS und HAM-Nat sagen Studienerfolg vorher
Zunächst die gute Nachricht: Beide Tests sind sinnvolle Auswahlkriterien. Sowohl TMS als auch HAM-Nat sagen die Vorklinik-Note statistisch signifikant vorher — und das deutlich stärker als das Abitur allein. Wer einen guten TMS oder HAM-Nat schreibt, hat also tatsächlich bessere Chancen, das Studium erfolgreich zu meistern.
✅ Beide Tests haben echte Vorhersagekraft
TMS und HAM-Nat sagen die akademische Leistung in der Vorklinik deutlich besser vorher als die Abiturnote allein. Wer einen guten Test schreibt, bringt also nachweislich bessere Voraussetzungen für das Studium mit.
Das Abitur wird überschätzt
Ein interessanter Nebenbefund: Das Abitur hat zwar eine gewisse Vorhersagekraft — aber sobald man den TMS oder HAM-Nat berücksichtigt, fügt die Abiturnote kaum noch zusätzliche Information hinzu. Die Tests sind also aussagekräftiger als der Schulabschluss. Das ist einer der Gründe, warum Auswahlverfahren zunehmend auf Eignungstests setzen.
3. Welche Untertests fallen wahrscheinlich im TMSnat weg?
Der entscheidende Befund der Studie ist die Untertest-Analyse: Nicht alle Teile von TMS und HAM-Nat sind gleich gut darin, den Studienerfolg vorherzusagen. Einige Untertests zeigen kaum einen Zusammenhang mit den späteren Studienleistungen — und werden deshalb im TMSnat wahrscheinlich wegfallen oder stark abgeschwächt werden.
Hier eine Übersicht der Untertests und ihrer Vorhersagekraft laut Jaehn et al. (2025):
| Test | Untertest | Beschreibung | Vorhersagekraft |
|---|---|---|---|
| TMS | Medizinisch-naturwiss. Grundverständnis (BMS) | Kurze naturwiss. Texte verstehen und auswerten | ⬆ Stark |
| TMS | Quantitative und formale Probleme (QFP) | Mathematisch-logische Kurzaufgaben | ⬆ Stark |
| TMS | Textverständnis (TC) | Lange lehrbuchähnliche Texte analysieren | ⬆ Stark |
| TMS | Diagramme und Tabellen (DT) | Grafiken und Tabellen auswerten | ⬆ Stark |
| TMS | Schlauchfiguren (MRT) | Räumliches Vorstellungsvermögen | ↔ Mittel |
| TMS | Figuren lernen (FMT) | Geometrische Formen einprägen | ⬇ Schwach |
| TMS | Fakten lernen (VMT) | Personen und Eigenschaften einprägen | ⬇ Schwach |
| TMS | Muster zuordnen (VST) | Bildfehler in Ausschnitten finden | ⬇ Schwach |
| HAM-Nat | Naturwissenschafts-Wissenstest (KT) | Biologie, Chemie, Physik, Mathe | ⬆⬆ Stärkster Prädiktor |
| HAM-Nat | Numerisches Denken (NRT) | Mathematisches Schlussfolgern | ↔ Mittel |
| HAM-Nat | Verbales Denken (VRT) | Sprachliches Schlussfolgern | ⬇ Schwach |
⚠️ Wichtig: Das sind Wahrscheinlichkeiten, keine Gewissheiten
Die Studie zeigt, welche Untertests den Studienerfolg am besten vorhersagen. Der genaue Aufbau des TMSnat — also welche Untertests wirklich enthalten sind und wie sie gewichtet werden — wird erst ab Juni 2026 offiziell bekanntgegeben. Die Tabelle ist eine wissenschaftlich fundierte Prognose, kein offizieller Aufbauplan.
4. Fluide und kristalline Intelligenz — was die Studie wirklich sagt
Um zu verstehen warum manche Untertests besser vorhersagen als andere, hilft ein Blick auf zwei Formen von Intelligenz die in der Forschung unterschieden werden: Fluide Intelligenz — die Fähigkeit, neue Probleme unabhängig von erlerntem Wissen zu lösen — und kristalline Intelligenz — erworbenes Fachwissen und die Fähigkeit, es in neuen Zusammenhängen anzuwenden.
Jaehn et al. (2025) zeigen, dass nicht der eine oder andere Test pauschal einer Intelligenzform zuzuordnen ist. Vielmehr gilt: Untertests die beide Formen kombinieren — also inhaltliches Wissen mit logischem Denken verknüpfen — sagen den Studienerfolg am stärksten vorher. Das gilt sowohl für BMS, QFP, TC und DT innerhalb des TMS als auch für den naturwissenschaftlichen Wissenstest KT des HAM-Nat. Untertests die fast ausschließlich fluide Fähigkeiten messen — Figuren lernen, Fakten lernen, Muster zuordnen — zeigten dagegen kaum einen Zusammenhang mit den späteren Studienleistungen.
Das Ergebnis lässt sich intuitiv erklären: Medizin ist ein inhaltsschweres Studium. Wer naturwissenschaftliche Texte verstehen, Diagramme auswerten und mathematisch-logisch denken kann, bringt nachweislich bessere Voraussetzungen mit — unabhängig davon, wie gut er sich geometrische Figuren einprägen kann. Die Autoren nennen das die „test-criterion content match hypothesis": Je mehr ein Untertest inhaltlich dem Medizinstudium ähnelt, desto besser sagt er den Erfolg darin vorher.
5. Was bedeutet das konkret für deinen Lernplan?
Die Studienergebnisse geben eine klare Lernreihenfolge vor — wenn man weiß wie man sie liest. Schauen wir uns an, welche Untertests die stärkste Vorhersagekraft hatten und was das für deine Vorbereitung bedeutet:
Der naturwissenschaftliche Wissenstest (KT) des HAM-Nat war der stärkste Einzelprädiktor der gesamten Studie — mit einer Korrelation von r = −0.47 beim Physikum (M1). Er deckt Biologie, Chemie, Physik und Mathematik auf Abiturniveau ab. Dieser Teil fließt vollständig in den TMSnat ein und ist gleichzeitig der lernbarste Teil des gesamten Tests. Man lernt konkrete Inhalte — ähnlich wie für eine Schulprüfung — und kann das Wissen gezielt aufbauen, auch ohne Vorkenntnisse.
Als zweites kommen die inhaltsreichen TMS-Untertests — allen voran Quantitative und formale Probleme (QFP) sowie Medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis (BMS). Auch Textverständnis (TC) und Diagramme & Tabellen (DT) haben starke Vorhersagekraft. Diese Untertests kombinieren naturwissenschaftliches Denken mit logischer Problemlösung — und lassen sich ebenfalls sehr gut trainieren, wenn man die richtigen Strategien kennt.
Niedrig priorisieren solltest du hingegen Schlauchfiguren, Muster zuordnen, Figuren lernen und Fakten lernen. Diese werden im TMSnat voraussichtlich wegfallen oder stark abgeschwächt — und haben laut der Studie ohnehin die geringste Vorhersagekraft.
✅ Deine Lernreihenfolge — abgeleitet aus der Wissenschaft
- 1. Naturwissenschaften (höchste Priorität): Biologie, Chemie, Physik, Mathematik — das ist der stärkste Prädiktor und der lernbarste Teil. Unser Material auf hamnattraining.de deckt genau diese Inhalte vollständig ab — von Grund auf, ohne Vorkenntnisse.
- 2. Quantitative und formale Probleme + BMS: Der zweitstärkste Teil. Wer Naturwissenschaften beherrscht, hat hier bereits einen großen Vorteil — viele Aufgaben greifen auf dasselbe inhaltliche Grundwissen zurück.
- 3. Textverständnis + Diagramme & Tabellen: Ebenfalls stark — aber auch gut trainierbar durch gezieltes Üben mit originalen TMS-Aufgabenformaten.
- 4. Kognitive Aufgaben (Schlauchfiguren etc.): Niedrig priorisieren — wahrscheinlich wegfallend im TMSnat, geringes Lernpotenzial.
Die Konsequenz ist klar: Wer jetzt mit den Naturwissenschaften beginnt, investiert in den Teil des TMSnat der am stärksten zählt, am besten lernbar ist und gleichzeitig die Grundlage für die quantitativen Aufgaben legt. Je früher du anfängst, desto größer dein Vorsprung gegenüber allen die das erst kurz vor dem Test nachholen müssen.
Quelle: Jaehn, M., Hissbach, J. et al. (2025). Predictive validity of admission tests and educational attainment on preclinical academic performance – a multisite study. BMC Medical Education, 25, 1255. doi.org/10.1186/s12909-025-07974-2
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Für den Naturwissenschaftsteil haben wir bereits eine vollständige Lernplattform, da wir ursprünglich auf den HAM-Nat vorbereitet haben. Wir gehen davon aus, dass genau die Themen aus dem offiziellen HAM-Nat Themenkatalog in den TMSnat übernommen werden. Alle Inhalte werden von Grund auf Schritt für Schritt erklärt — mit interaktiven Übungsaufgaben. Es sind keine Vorkenntnisse, weiteren Bücher oder Kurse nötig und man braucht die Fächer auch nicht vorher in der Schule gehabt zu haben. Eignet sich perfekt auch parallel zur Abiturphase.
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